19.05.2012
 
 
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ANTIRASSISMUS

Rassismus – kurz gesagt bedeutet das eigentlich, Menschen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit bestimmte Eigenschaften zuzuordnen.

Rassismus begegnet uns tagtäglich: in den Medien, im alltäglichen Miteinander, in jedermanns spontanen Zuordnungen und Reaktionen. Deutsche sind fleißig und zuverlässig, Türken unpünktlich, ungebildet und faul. Italiener sind laut und unordentlich, Araber gefährlich und unberechenbar. Amerikaner sind zu arrogant, Holländer zu tolerant, Osteuropäer zu kriminell…: die geballte Aufzählung macht eigentlich schon klar, um welchen Unsinn es sich dabei handelt, und im Einzelfall ist fast jeder bereit zu erkennen, dass auf Ali oder Ahmet, auf Oleg oder Olga, auf Filippo oder Fatma, auf Hans oder Heike das rassistische Vorurteil dann doch nicht zutrifft. In Wirklichkeit ist jeder anders.

Dennoch, und trotz all der schlechten Erfahrungen, die in Deutschland ebenso wie in der Türkei, in Europa und in der ganzen Welt mit Rassismus und seinen Konsequenzen gemacht wurden und werden, hat dieses menschenfeindliche und –verachtende Phänomen bis heute überlebt.

Gerade in ökonomischen Krisenzeiten, wenn Menschen Angst um ihren Arbeitsplatz, ihr Auskommen, ihre Zukunft und die ihrer Kinder haben, bekommen rassistische Einstellungen Auftrieb. In Deutschland erleben wir das seit Jahren wieder: statt für die desolate Arbeitsmarktlage die Wirtschaftspolitik der Regierungen und das Verhalten der Arbeitgeber verantwortlich zu machen, wird die Schuld bei den Zuwanderern gesucht, die einst als notwendige Arbeitskräfte hergeholt wurden: heute sollen sie die Schuld tragen an der schlechten wirtschaftlichen Entwicklung, an der hohen Arbeitslosigkeit und den leeren öffentlichen Kassen. Statt für die schlechten Ergebnisse Deutschlands bei PISA eine Bildungs- und Sozialpolitik zur Verantwortung zu ziehen, die es nach mehr als vierzig Jahren Zuwanderung nicht geschafft hat, sich auf die veränderte gesellschaftliche Lage einzustellen, wird die Schuld bei den Zuwanderern selber gesucht: sie seien aufgrund bestimmter ethnischer Merkmale und kultureller Gepflogenheiten nicht integrierbar und unfähig zur Anpassung an die deutsche Gesellschaft.

Das ist Rassismus, der verkennt und leugnet, dass bestimmte Probleme wie beispielsweise der verschlechterte Zugang zu Bildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten, die Unfähigkeit, eigene Interessen und Ziele zu artikulieren und zu verfolgen, mehr mit der sozialen Situation als mit ethnischer Zugehörigkeit zu tun haben.

Als Sozialdemokraten sehen wir vom HDF uns verpflichtet, solchen Tendenzen sowie jeder Art von Rassismus, von Ausgrenzung und Stigmatisierung mit all unseren Mitteln und Möglichkeiten entgegenzutreten. Wir betrachten Rassismus als eine Methode, die Gesellschaft künstlich zu spalten und gesellschaftliche Gruppen, die solidarisch und gemeinsam an der Verbesserung ihrer Lage arbeiten könnten und sollten, gegeneinander aufzuhetzen. Dies widerspricht unserer Auffassung einer gleichberechtigten und solidarischen Gesellschaft, unserem Verständnis von Sozialdemokratie.

Unsere Arbeit gilt daher dem Ziel, Zuwanderer bei ihrer politischen Emanzipation zu unterstützen, sie aus der mit der Stigmatisierung einhergehenden Lähmung zu befreien und sie zur Inanspruchnahme ihrer gesellschaftlichen und politischen Rechte, zu aktiver Beteiligung an der Gesellschaft zu ermutigen.

 
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