19.05.2012
 
 
Türkei PDF Drucken E-Mail

HDF und TÜRKEI

Als die HDF sich im Oktober 1977 als Föderation türkischer Volksvereine gründete, war das überragende Ziel ihrer Mitglieder, das politische Geschehen in der Türkei unter sozialdemokratischen Gesichtspunkten mit zu beeinflussen und sich mit den Sozialdemokraten in der Türkei zu solidarisieren. Für die meisten der Vereinsmitglieder, ob Arbeitnehmer oder Studierende, stand wie wohl für die meisten in Deutschland lebenden Türken zu der Zeit fest, dass sie früher oder später in die Türkei zurück kehren würden. Als politisch aktive Menschen wollten sie politische und gesellschaftliche Entwicklungen ihres Herkunftslandes, ihrer Heimat mitbestimmen und mitgestalten.

Schnell rückten aber bereits damals Probleme der türkischen Migranten in Deutschland, ihrer gesellschaftlichen Beteiligung und politischen Vertretung, in unser Augenmerk. Probleme am Arbeitsplatz oder bei der Wohnungssuche, im Zuge der Zusammenführung von Familien auch schulische und soziale Probleme wurden zu einem festen Bestandteil des Alltags der Zuwanderer aus der Türkei. Die HDF und ihre Mitgliedsvereine nahm sich dieser Probleme an, teils indem wir Betroffenen Beratung anboten (und bis heute anbieten), teils indem wir im Rahmen unserer politischen Aktivitäten diese Probleme auf die politische Tagesordnung brachten, innerhalb des gesellschaftlichen Diskurses artikulierten und uns in dieser Weise um die politische Vertretung der Interessen von Zuwanderern kümmerten.

Heute vereinigt die HDF 45 Ortsvereine aus der Bundesrepublik, der Schweiz, Schweden, England, Frankreich, Holland, Belgien, Dänemark und Österreich mit mehreren tausend Mitgliedern unter ihrem Dach. Viele unserer Mitglieder waren und sind in politischen Parteien – bei der SPD oder den Grünen - aktiv, viele sind auch beruflich in unterschiedlichen Formen mit der Beratung oder Betreuung von Zuwanderern befasst oder als Lehrer, Erzieher oder Sozialberater tätig. Sie stellten und stellen ihre Kompetenz der HDF und ihren Mitgliedsvereinen seit Jahren ehrenamtlich zur Verfügung. Die so zusammen gekommene Kompetenz in Sachen Integrations- und Migrationspolitik, die Erfahrungen aus dem alltäglichen Kontakt zu aus der Türkei stammenden Zuwanderern und ihren Familien fließt in unsere Arbeit ebenso ein wie in die politischen Ziele, die wir vertreten und verfolgen.

Im Zuge dieser notwendigen und sinnvollen Entwicklung sind türkeipolitische Themen in den Hintergrund gerückt. Die meisten von uns haben den Gedanken an eine Rückkehr in die Türkei aufgegeben – ohne dabei aber den Kontakt zum Herkunftsland und ihre eigenen Wurzeln zu vergessen. Die zweisprachige Erziehung der Kinder aus türkischen Zuwandererfamilien gehört deshalb ebenso zu unseren politischen Forderungen wie die Möglichkeit, die eigene Kultur auch in Deutschland zu pflegen und weiterzuentwickeln. Wir stellen uns jedem Nationalismus entgegen und vertreten ein laizistisches Staatsmodell. Auf der Grundlage unserer sozialdemokratischen Überzeugungen formulieren wir unsere Erwartungen an die türkische Politik. Wir treten für den EU-Beitritt der Türkei ein und unterstützen ihn im Rahmen unserer Möglichkeiten. Unsere Kritik ebenso wie unsere Vorschläge richten wir dabei sowohl an die deutsche bzw. europäische wie auch an die türkische Seite.

Als Teil der weltweiten sozialdemokratischen Bewegung denkt die HDF international. Als Migranten betrachten wir uns als Vermittler zwischen Kulturen und gesellschaftlichen Gruppen, durch unsere Jahrzehnte lange Arbeit ausgestattet mit hoher Kompetenz in Sachen Toleranz, Gleichberechtigung und politische Mitwirkung.

 
Termine
Keine Termine
 
Top! Top!